VPD Supercharge - 16.11.2023

Das größte Hindernis für E‑Lkw in Europa ist nicht das Fahrzeug, sondern die Stromversorgung am Standort. Die meisten Logistikimmobilien wurden für Beleuchtung, Stapler und Büros ausgelegt. Ihr Netzanschluss reicht bei Weitem nicht aus, um zusätzlich eine Lkw-Flotte zu laden.

Kurz gesagt: Die Elektrifizierung einer Flotte hängt davon ab, wie viel Leistung ein Standort aus dem Netz beziehen kann. Reicht der Anschluss nicht aus, schließt ein Batteriespeicher vor Ort (BESS) die Lücke, solange die Netzverstärkung noch aussteht.

Dieser Leitfaden erklärt verständlich, wie viel Leistung das Laden von Lkw erfordert, worin sich ein Batteriespeicher von einem Netzausbau unterscheidet und was Sie prüfen sollten, bevor Sie sich für einen Standort entscheiden.

Vier Begriffe, die Sie kennen sollten

  • Netzanschluss (oder Netzkapazität): die maximale Leistung, die ein Standort zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dem öffentlichen Netz beziehen kann. Stellen Sie sich die Breite der Leitung zwischen Netz und Gebäude vor.
  • kW und kWh: kW beschreibt, wie schnell Strom fließt, also die Breite der Leitung. kWh misst, wie viel Energie Sie über einen Zeitraum verbrauchen. Zum Vergleich: Eine private Wallbox für E‑Autos zieht rund 11 kW.
  • Netzengpass: Das lokale Netz ist ausgelastet, der Netzbetreiber kann einem Standort keine zusätzliche Kapazität zuteilen, mitunter jahrelang.
  • BESS und EMS: Ein Batteriespeichersystem (BESS) ist ein großer Batteriespeicher vor Ort. Ein Energiemanagementsystem (EMS) ist die Software, die steuert, wann der Speicher lädt und wann er Strom abgibt.

Warum der Netzanschluss der eigentliche Engpass ist

Eine Ladesäule für Lkw zu kaufen ist der einfache Teil. Ladetechnik ist breit verfügbar und erprobt. Woran Projekte scheitern, ist, ausreichend Strom an diese Ladesäule zu bringen.

Die meisten europäischen Gewerbegebiete wurden vor Jahrzehnten geplant, lange bevor jemand daran dachte, dort Lkw zu laden. In dicht besiedelten Regionen ist das lokale Netz bereits ausgelastet. Ein Antrag auf einen stärkeren Anschluss kann Jahre dauern, und manche Standorte können überschüssigen Solarstrom gar nicht ins Netz einspeisen.

Damit wird die Stromversorgung zum Kriterium bei der Standortwahl. Sie gehört auf dieselbe Checkliste wie lichte Höhe und Anzahl der Rampentore, nicht auf eine To-do-Liste für die Zeit nach Unterzeichnung des Mietvertrags.

Wie viel Leistung braucht das Laden von E‑Lkw?

Das hängt von drei Faktoren ab: wie schnell die Lkw laden müssen, wie lange sie stehen und wie viele gleichzeitig laden.

Ladeart Leistung pro Ladepunkt Am besten geeignet für

Langsames Laden (AC)

Bis 22 kW

Lkw, die über Nacht acht Stunden oder länger stehen

Schnellladen (DC)

50 bis 500 kW

Mehrschichtbetrieb mit ein bis vier Stunden Standzeit

Megawattladen (MCS)

Rund 1.000 kW (1 MW)

Fernverkehrs-Lkw, die während der vorgeschriebenen Lenkzeitpause laden

Zur Einordnung: Ein einzelner 350-kW-Lader für Lkw zieht so viel Leistung wie rund 30 private Wallboxen. Laden mehrere Lkw gleichzeitig, stößt eine ältere Halle schnell an ihre Grenzen. Entscheidend ist also nicht die Zahl der Ladepunkte, sondern die Leistung, die der Standort bereitstellen kann.

Balkendiagramm mit der Leistungsaufnahme einer privaten Wallbox (11 kW), eines Schnellladers für E-Lkw (350 kW) und eines Megawattladers für Lkw (1.000 kW)

Praxisbeispiel: WDP Raamsdonksveer

Ein WDP-Standort im niederländischen Raamsdonksveer zeigt das Problem und einen Ausweg.

  • Bedarf des Standorts: rund 200 kW in Spitzenzeiten.
  • Verfügbare Netzanschlussleistung: 69 kW, etwa so viel wie sechs private Wallboxen, ohne Möglichkeit zur Einspeisung von Überschussstrom.
  • Die Lösung: Photovoltaik, ein Batteriespeicher für den erzeugten Strom und ein Energiemanagementsystem, das beides steuert.
  • Das Ergebnis: 269 kW verfügbare Leistung, schrittweise erweiterbar, und ein Gebäude, das bei Netzengpässen oder Stromausfall weiterläuft.

Der Standort hat nicht jahrelang auf den Netzbetreiber gewartet. Er hat die Lücke zu eigenen Bedingungen geschlossen.

Batteriespeicher oder Netzausbau: Was ist der Unterschied?

Beides lässt sich kombinieren, aber es löst unterschiedliche Probleme.

Ein Netzausbau macht die Leitung dauerhaft breiter. Langfristig ist das die umfassendste Lösung. In Regionen mit Netzengpässen bestimmt allerdings der Netzbetreiber den Zeitplan, nicht Sie und nicht Ihr Vermieter.

Ein Batteriespeicher funktioniert wie ein Wassertank. Er füllt sich langsam aus dem Netz oder der Photovoltaikanlage und gibt viel Leistung auf einmal ab, sobald Lkw angeschlossen werden. Nach der Installation ist der Batteriespeicher einsatzbereit und hält den Standort am Laufen, wenn das Netz ausfällt.

In der Praxis bringt ein Standort mit bereits installierter Photovoltaik und Batteriespeicher, wie Raamsdonksveer, einen Mieter schneller zum E‑Lkw als ein Standort, der den Netzausbau erst noch beantragen muss.

Illustration, die einen Netzausbau, eine breitere Leitung mit langer Wartezeit, mit einem Batteriespeicher vor Ort vergleicht, der sich langsam füllt und E-Lkw schnell mit Leistung versorgt

Fünf Fragen, die Sie vor der Unterschrift stellen sollten

  1. Wie hoch ist die Netzkapazität des Standorts, und wie viel davon ist noch ungenutzt?
  2. Kann der Standort Überschussstrom ins Netz einspeisen oder nur beziehen?
  3. Sind bereits Photovoltaik oder ein Batteriespeicher installiert?
  4. Kann die Elektroinstallation schrittweise mit der Flotte wachsen?
  5. Falls ein Netzausbau nötig ist: Wie lange dauert er realistisch, und wer stellt den Antrag?

Lautet die Antwort auf die meisten Fragen ​„Das müssten wir prüfen“, trägt Ihr Elektrifizierungsplan ein echtes Risiko. Ein Standort mit klaren Antworten beseitigt den Großteil davon.

So geht WDP die Elektrifizierung von Flotten an

WDP integriert Energieinfrastruktur in seine Logistikimmobilien: Photovoltaik, Batteriespeicher, Energiemanagement und Ladeinfrastruktur. Das geschieht über den Green Mobility Hub-Ansatz, und im gesamten europäischen Portfolio bietet WDP Ladestationen für Elektrofahrzeuge an.

Nassau Sneltransport hat seine Flotte auf diesem Weg elektrifiziert, ohne selbst für die Ladeinfrastruktur zu bezahlen. Für Einride baut WDP den ersten Ladepark dieser Art für E‑Lkw in den Niederlanden.

Sie möchten tiefer einsteigen? Lesen Sie mehr über Depotladen im Vergleich zum Laden unterwegs, warum Logistikimmobilien Batteriespeicher zum Laden von E‑Lkw brauchen und Build-to-Suit im Vergleich zur Bestandsimmobilie. Auf der Suche nach einem Standort? In Raamsdonksveer sind Batteriespeicher und erweiterbare Leistung bereits vorhanden.

FAQ

Das Fazit

Ob die Elektrifizierung einer Flotte gelingt oder ins Stocken gerät, entscheidet die Stromversorgung am Standort. Standorte mit freier Netzkapazität, Batteriespeicher und vorhandener Ladeinfrastruktur bieten den schnellsten und planbarsten Weg. WDP integriert all das in seine Logistikimmobilien in ganz Europa, damit Mieter ihre E‑Flotte an dem ausrichten können, was der Standort liefert, und nicht an der Warteliste eines Netzbetreibers.

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